Leser erzählen

07. Juli 2018 10:00; Akt: 07.07.2018 10:00 Print

«100 Prozent arbeiten ist für Väter entspannender»

Teilzeit arbeiten und dafür mehr zu Hause bei den Kindern sein macht Väter unglücklich, besagt eine Studie. 20 Minuten hat die Leser nach ihren Erfahrungen gefragt.

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Im Schnitt sind Väter, die 100 Prozent arbeiten, zufriedener als jene Väter, die Teilzeit arbeiten und häufiger zu Hause sind. Zu diesem Schluss ist eine Studie des deutschen Soziologen Martin Schröder gekommen.

Umfrage
Arbeiten Sie Teilzeit oder Vollzeit?

«Väter werden rapide unglücklicher, je stärker sie ihr Pensum reduzieren. Teilzeitarbeit macht sie unglücklich», sagte Schröder dem «Tages-Anzeiger». Mütter würden hingegen sowohl in der Heim- als auch der Büroarbeit Erfüllung und Anerkennung finden.

20 Minuten wollte von Schweizer Vätern wissen: Sind auch Sie mit einem Vollzeitjob zufriedener als mit einem Teilzeitpensum? Und verbringen Sie tatsächlich lieber mehr Zeit im Büro als mit der Familie? Hier eine Auswahl der Antworten:

«Arbeiten gehen ist weniger kompliziert»
Ich liebe meine Tochter über alles. Dennoch muss ich sagen: Arbeiten ist weit weniger kompliziert als Kinder grossziehen. Ich spiele gerne mal mit ihr mit Puppen ... aber jeden Tag? Ich lese auch gerne Bücher ... aber irgendwann hängen einem die Pony-Geschichten zum Hals raus. Und Kinderspiele sind halt eher für Kinder als für Erwachsene. Darum wäre ein Teilzeitpensum nichts für mich. Ich habe aber grossen Respekt vor allen Müttern und Vätern, die das mit der Kinderbetreuung so mit links machen und dabei nicht durchdrehen. Aber meins ist es nicht.
Pascal B.

«Ich lasse gerne die Karriere links liegen»
Ich habe meinen Kaderjob nach dem zweiten Kind an den Nagel gehängt, da meine Frau besser verdient und familienfreundlichere Arbeitszeiten hat. Für zwei Jahre war ich Hausmann, heute habe ich eine 20%-Stelle. Zu 100% Hausmann zu sein, hat mich aber viel mehr erfüllt. Es gibt als Vater nichts Schöneres, als seine Kinder aufwachsen zu sehen. Dafür lasse ich gerne die Karriere links liegen. Man lebt, um zu leben und zu lieben – und nicht, um zu arbeiten und Karriere zu machen. Mein Know-how aus meinem früheren Job setze ich bei ehrenamtlichen Engagements ein, um gesellschaftlich etwas erreichen zu können.
Peter M.

«Kinderbetreuung ist keine Freizeit»
Ich muss mal etwas klarstellen: Die Zeit alleine zu Hause mit den Kindern ist nicht Freizeit. Kinderbetreuung ist genauso anstrengend – wenn nicht anstrengender – wie der bezahlte Job. Kinder können verdammt anstrengend, nervenaufreibend und mühsam sein. Trotzdem arbeite ich seit der Geburt meiner ersten Tochter nur noch 80%. Es gibt nichts Schöneres, als meine Kinder aufwachsen zu sehen und die Verantwortung zu übernehmen. Ich bin ich glücklicher denn je, nur Teilzeit arbeiten zu dürfen.
Philipp F.

«Mit dem Vollzeitjob bin ich weniger gestresst»
Als wir unser erstes von drei Kindern bekommen haben, habe ich auf 80% reduziert. Inzwischen bin ich aber Teamleiter – und merke immer mehr, dass die Arbeitsbelastung für ein Teilzeitpensum einfach zu hoch ist. Es stresst mich, dass ich vor meinem freien Tag noch vorarbeiten muss, um die Lücke zu überbrücken. Deshalb habe ich mit meiner Frau vereinbart, wieder auf 100% zu gehen. Gefühlsmässig geht es mir jetzt schon besser: Ich freue mich, bei der Arbeit bald nicht mehr so gestresst zu sein, wie es beim Teilzeitpensum der Fall war. Natürlich ist es schade, dass ich dann weniger Zeit mit den Kindern habe. Aber mal ehrlich: Obwohl ich sie über alles liebe, sind sie hauptsächlich anstrengend.
Felix A.

«Ich arbeite jetzt wieder Vollzeit»
Ich habe es mit einem Teilzeitpensum probiert. Aus verschiedenen Gründen arbeite ich jetzt wieder Vollzeit. Einer der Faktoren ist: Als Mann wird man nicht richtig akzeptiert, wenn man «nur» auf die Kinder schaut. Und das Geld reicht bei einem Teilzeitpensum auch nirgends hin. Eigentlich ist es schade: Zu wenige Jobs sind in der Schweiz auf Familien zugeschnitten.
Marcel V.

«Ich arbeite 100% – und bin unglücklich damit»
Ich will es nicht leugnen: Es ist sicher entspannender, wenn man als Vater Vollzeit arbeitet und dadurch nicht dauernd die quengelnden Kinder um sich hat. Zudem profitiert man dann vom guten Ansehen in der Berufswelt. Ich selbst arbeite 100%, bin aber nicht glücklich damit. Am liebsten würde ich die ganze Zeit bei meiner Familie sein. Meine Frau und ich lebten kurz ein Modell, bei dem beide Teilzeit arbeiteten. Jedoch war das vom Job her nicht gut umsetzbar, da in einer leitenden Funktion immer mehr als 100% Leistung gefragt ist. Ich finde, es braucht mehr Flexibilität vonseiten der Arbeitgeber.
Ramon S.

(vb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Django am 07.07.2018 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    nur noch Vorgesetzte?

    Kaderfunktion, Teamleiter, leitende Funktion. man könnte meinen es gibt nur noch "Vorgesetzte" und keine normalen Arbeitnehmer. Wie wäre es mal wenn ihr diese befragen würdet?

  • Mother Of2 am 07.07.2018 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fühle gleich als Mutter

    Interessante Aussagen. Ich unterschreibe 100% bei den Männern, die Kinder anstrengend finden... als Mutter! Nur werde ich im Gegensatz für Die Väter für meine Aussage gesteinigt.

    einklappen einklappen
  • Anny am 07.07.2018 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine..

    Es ist nicht alles schlecht was früher war.Aber mehr Wertschätzung auf beiden Seiten wäre toll.Wie die Arbeit auswärts,so ist auch die Kindererziehung und Haushalt eine anspruchsvolle Arbeit und braucht Koordination.Als Haus-Frau wie auch als Haus-Mann wird mann nicht besonders gelobt oder bewundert von der Gesellschaft.Es ist wichtig,dass man sich selber wohlfühlt und glücklich ist. Eine unbezahlbare Zeit ist die Kindheit für die Kinder und für uns.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maximus am 09.07.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War eben nicht schon immer so.

    All diese Kommentare von wegen der Mann muss der Versorger sein die Frau muss Putzen etc etc das sei schon immer so gewesen.... DAS stimmt eben nicht. Before den Keltisch, Germanischen Völker das Christentum aufgezwungen wurde und ihre Kultur zerstört wurde waren wir ganz anders. Die Christen haben ganze Arbeit geleistet alle Beweisstück zu vernichten, allerdings kommen in den Letzten Jahren immer mehr Dinge über unsere ursprüngliche Kultur an das Licht. So wahren auch Frauen Jäger und Kämpfer, kinder Erziehung wurde in der Gemeinschaft geregelt. Aber das Christentum hat das zerstört

  • IL am 09.07.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betreuung gerechter aufteilen

    Das geht auch jeder Frau so: Mit Kinder zuhause sein ist in der Regel viel anstrengender als arbeiten gehen, nur , dass dann auch noch meistens niemand die Arbeit zuhause erledigt. Wenn Frauen arbeiten, dann meistens nicht anstatt der Arbeit zuhause, sondern zusätzlich....... Es soll Ausnahmen geben, aber ich habe noch nicht sehr viele Männer kennen gelernt, die sich gleichwertig wie ihre Ehefrauen einbringen. Und das Einfordern-müssen ist eine zusätzliche Belastung. Jeder Vater sollte eine gewisse Zeit zuhause Verantwortung tragen, mindestens so lange, bis er weiss, wie mühsam das sein kann.

  • Claudia am 09.07.2018 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    ja klar!

    das kann ich voll und ganz verstehen - als Frau und Mutter! Da sieht man, was die Frauen schon lange an Mehrbelastung tragen.

  • Fred am 09.07.2018 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich bestätigen

    Denn wenn mann in einer Partnerschaft zuhause ist kann man keine Minute ruhig sitzen, schon muss man was tun (Frauen können nicht ertragen wenn der Mann einfach nichts tut, wusste auch bereits Loriot) . Aber geschieden, arbeite ich 70% und geniesse die freie Zeit.

  • BigJoe am 09.07.2018 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Haarscharf daneben

    Korrelation ist nicht gleich Kausalität.