Daniel Brühl in «7 Tage in Entebbe»

07. Mai 2018 10:03; Akt: 07.05.2018 10:03 Print

«Ich konnte nicht als Terrorist nach Hause»

Nach «Avengers» und «The Alienist» ist Daniel Brühl zurück im Real-Life-Kino. Der Hollywood-Star über seine Rolle als Terrorist und Anfänge in der Daily Soap.

Der Trailer zu «7 Tage in Entebbe» mit Daniel Brühl und Rosamunde Pike in den Hauptrollen, der aktuell in den Kinos läuft. (Video: Impuls Pictures/Tamedia)
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Daniel, wieviel wusstest du vor Drehbeginn von den Vorfällen in Entebbe?
Gar nicht viel. Nur grob, dass es mit einer Flugzeugentführung zu tun hatte.

Umfrage
Gehst du für Geschichtsdramen ins Kino?

«7 Tage in Entebbe» ist nicht dein erstes Geschichtsdrama.
Ich finde es immer spannend und aufschlussreich, sich Geschichte zu vergegenwärtigen. Vor allem, wenn sie meine eigene Herkunft und Kultur betrifft. In diesem Fall aber auch, um daran zu erinnern, wie das Ganze anfing. Wir leben ja leider Gottes immer noch mit diesem Konflikt.

Wilfried Böse, den du im Film spielst, sieht sich als Revolutionär, die Welt nimmt ihn als Terroristen wahr. Was denkst du seit dem Dreh?
Ich bin 1978 geboren, das Aufbegehren dieser Generation, die Wut auf das eigene Land, das Entsetzen darüber, dass noch so viele Alt-Nazis in so wichtigen Positionen tätig waren, all das war bei uns Zuhause oft Thema. Insofern war die Motivation für mich komplett nachvollziehbar. Als Schauspieler fand ich interessant, jemanden zu spielen, der den Extra-Schritt gegangen ist, sich zu radikalisieren. Dafür hab ich weder Verständnis noch Empathie, aber die Auseinandersetzung war spannend.

Im Film sagt Böse, er wolle «Bomben ins Bewusstsein der Menschen werfen». Ist das auch etwa deine Absicht als Schauspieler?
Ja, kann man so sagen. Ich will die Köpfe nicht bombardieren, aber ich finds gut, Filme zu machen, die Leute zum Nachdenken bringen und Neues eröffnen.

Der Film spielt auch auf aktuelle Fake-News- und Terror-Debatten an. Welche Message war dir persönlich am wichtigsten?
Dass es verschiedene Wahrheiten gibt, die wir akzeptieren müssen. Wir sind heute alle sehr stark beeinflussbar, vertrauen häufig zu sehr einem bestimmten Blickwinkel. Müssen wir ja auch zwangsläufig, weil wir in einem bestimmten Land und in einem bestimmten Kulturkreis leben.

Wie meinst du das genau?
Die Motivation der palästinensischen Terroristen ist urmenschlich. Aber auch die der deutschen Terroristen. Das sind nachvollziehbare Haltungen. Am Ende sind für mich fast alle Beteiligten Opfer. Selbst die israelischen Soldaten kommen traumatisiert zurück.

Brauchst du nach so schweren Drehs Zeit zum Runterkommen?
An schwierigen Tagen wusste meine Frau, dass ich besser für mich bin. Ich war da gerade Papa geworden und konnte nicht als Terrorist nach Hause kommen. Und unser Baby war tatsächlich irritiert und hat mich gar nicht mehr erkannt, als ich irgendwann keinen Bart mehr im Gesicht hatte.

Als du «Avengers»-Bösewicht Zemo spieltest, las man in Kritiken oft, du seist in der Rolle unterfordert. Wie denkst du selbst darüber?
Ne, ich brauch als Schauspieler auch mal was komplett anderes. Und ich genoss das sehr, ich fühlte mich wie 12-Jähriger in einem Luna Park. Das macht den Kopf frei.

Mit «The Alienist» spielst du heute wieder in einer Serie.
Ja, es ist ein tolles und neues Gefühl, so viel Zeit für einen Charakter zu haben.

Ganz neu ja nicht, du hast ja mit einer Serie angefangen: «Verbotene Liebe».
Ja (lacht). Ich hoffe, es wird nie wieder ausgestrahlt!

Schämst du dich?
Ach nein, aber ich hab Szenen daraus erst vor ein paar Wochen zufällig gesehen – ich, mit Ratte auf der Schulter, riesen Mittelscheitel, langen Haaren, ich sah halt einfach aus wie ein Kind! Ganz schön Hardcore, wenn man sowas nach zwanzig Jahren das erste Mal wieder sieht.

«7 Days in Entebbe» läuft ab 3. Mai im Kino.

(mel)

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