iPad im Unterricht

28. März 2018 11:06; Akt: 28.03.2018 11:32 Print

Den Frosch sezieren mit Apples Pencil als Skalpell

von T. Bolzern, Chicago - Es wurde speziell für Schüler entwickelt: Das neue iPad von Apple. 20 Minuten hat damit einen halben Tag die Schulbank gedrückt.

Musik, Zeichnen, Videoschnitt: Tablet-Computer sollen in Schulen künftig zum Alltag gehören. (Video: 20M)
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Apple hat viel Aufwand betrieben, um das am Dienstag enthüllte iPad richtig zu inszenieren. Der Anlass fand an einer Highschool in Chicago statt. Für die anwesenden Journalisten gab es einen Mini-Stundenplan und zu Klassenbeginn erklang eine Glocke, welche die einzelnen Stunden einläutete.

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Sollen Schüler künftig mit Stiften auf Tablets schreiben?

Mehrere Vorführungen sollten die Stärken des Geräts hervorheben. Die erste Lektion: Mathematik. Mit der Clips-App galt es, ein kurzes Haiku zur Fibonacci-Reihe zu kreieren. Die Lehrerin zeigte, wie das iPad im Klassenzimmer zum Einsatz kommt. Die Geräte bleiben so lange gesperrt, bis die Lehrerin sie freigibt. Sowieso hat sie die Kontrolle über die Tablets. Als ein Journalisten-«Schüler» am Nebentisch einen Song mit voller Lautstärke abspielte, wurde sein iPad umgehend stummgeschaltet.

Monster und Edelsteine

Nächste Lektion: Programmieren. Es gibt einen Grundkurs mit der Programmiersprache Swift. Mit einfachsten Befehlen und Loops soll das Monster auf dem Bildschirm die roten Edelsteine einsammeln. Es klappt. Tutorials und die grafische Oberfläche machen das Programmieren aber auch zum Kinderspiel. Nach knapp zehn Minuten ist der Kurs schon vorbei.

Im Musikzimmer geht es darum, die kreative Ader an sich selbst zu entdecken. Ein paar Schüler der Lane Tech High School sind gerade dabei, einen Song aufzunehmen. Das Fach? Geologie und Mathe. Sie singen einen Text über Sedimentgestein zu Pharrell Williams' Melodie «Happy», erst noch etwas schüchtern, dann mit immer mehr Leidenschaft. Das Resultat: «Awesome», wie sie kommentieren.

Zum Schluss gab es noch Biologie. Mit dem Pencil sezierten wir einen Frosch – virtuell. Die App des indischen Entwicklers ist schön umgesetzt. Schüler lernen, wie aus einer Kaulquappe ein Frosch wird. Etwas brutal wirkt es dennoch, wenn man die Nadeln in die virtuellen Froschbeine steckt, um ihn dann zu zerschneiden.

Crayon statt Pencil?

Die radikale Preisoffensive blieb aus: Das neue iPad-Modell ist für Schulen gleich teuer wie bis anhin (299 US-Dollar), doch gibt es neu mehr Technik für das gleiche Geld. Der Eingabestift, Apples Pencil, wird weiterhin separat verkauft. Ob das die kritischen Schulleitungen überzeugt?

Mit dem Crayon von Hersteller Logi gibt es zudem einen völlig neuen Stift. In diesem steckt Technologie von Apple. Der Clou: Er ist deutlich günstiger als das Profimodell und muss nicht per Bluetooth verbunden werden. Das hat den Vorteil, dass ein x-beliebiger Crayon gleich auf jedem der neuen iPads funktioniert. Ein Vorteil für Schulen. Allerdings müssen Nutzer ein paar Abstriche machen. So gibt es keine verschiedenen Druckstufen. Dennoch ist er gleich präzise und genauso schnell wie der Pencil. Kostenpunkt: 49 US-Dollar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Träumer am 28.03.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hatte einen schrecklichen Albtraum

    habe geträumt, dass Apple das ganze Schulzeugs nur auf den Markt wirft, um noch mehr Menschen, hier speziell Lehrer und ihre Schüler, an sich zu binden, sich von Apple abhängig zu machen und diese für alle Zeiten abzuzocken. Dann war ich schreiend aufgewacht...

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  • Brumm am 28.03.2018 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt ein Frosch?

    Will man jetzt Schüler weiterbringen oder einfach Geräte verkaufen? Beides wäre möglich, aber da hörts bei Apple eben schon auf, respektive allgemein in Amerika. Zuviele gescheite Leute machen den grossen Geldhaufen kleiner.

  • Alter_Biologe am 28.03.2018 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlich ist diese digitale Sektion

    nicht: es fehlt das taktile Erfahren der unterschiedlichen Gewebearten, es fehlt eine echte Erfahrung der dreidimensionale Anordnung der Organe, auch der Geruch spielt eine Rolle - das einzige, worauf ich bei der echten Sektion hätte gerne verzichten können, war der penetrante Geruch der Formalins, worin die Frösche konserviert wurden...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Noch ein Vater am 02.05.2018 03:03 Report Diesen Beitrag melden

    Virtueller Tierschutz

    Wieso hat Peta sich noch nicht dazu gemeldet?

  • Cleo am 28.03.2018 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einverstanden

    Bin einverstanden wenn dafür keine echten Frösche mehr dran glauben müssen

    • Klara am 28.03.2018 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Cleo

      Habe ich auch gedacht (besser virtuelles als echtes Tier). Wobei ich mag mich nicht erinnern in der Schule echte Tiere seziert zu haben. Ist wohl so ein amerikanisches Ding.

    • Dr.D am 28.03.2018 16:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Klara

      An Kantonsschulen gehört das zum Biologieunterricht dazu. Fisch, Maus und Insekt war es bei uns.

    • W.G. Neufeld am 28.03.2018 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klara

      haben wir im Gymnasium Bern Neufeld gemacht. Statt Frösch Stabheuschrecken...

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  • Alter_Biologe am 28.03.2018 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlich ist diese digitale Sektion

    nicht: es fehlt das taktile Erfahren der unterschiedlichen Gewebearten, es fehlt eine echte Erfahrung der dreidimensionale Anordnung der Organe, auch der Geruch spielt eine Rolle - das einzige, worauf ich bei der echten Sektion hätte gerne verzichten können, war der penetrante Geruch der Formalins, worin die Frösche konserviert wurden...

    • AKA am 03.04.2018 21:27 Report Diesen Beitrag melden

      Küchenschaben und Hühnerdarm

      Vor dem Mittagessen Mandibeln ausreissen und im Biozimmer bei stets geschlossenem Fenster die Hühnergedärme auslegen - leider hatte sie jemand angepiekst, brrrr

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  • Nino am 28.03.2018 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gar nichts entwickelt

    Das "neue" iPad wurde überhaupt nicht speziell für Schüler entwickelt. Das alte Modell ist einfach nur mit einem Digitizer für den Stift aufgerüstet worden. Das wars dann auch schon. Entwickelt wurde daran überhaupt nichts.

  • Beatrice T. am 28.03.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunftsorientiert

    Obwohl ich die Ablehnung und Skepsis gegenüber der Digitalisierung in der Bildung verstehen kann, bin ich als angehende Pädagogin erfreut über das Angebot, das Apple uns damit bietet. Im Lehrplan 21 wird neu verlangt, Programmieren als Fach oder Teilbereich einzuführen. Schulen rüsten bereits seit längerem mit IPads etc. auf um dieser Forderung entgegenzukommen, trotzdem wissen die wenigsten Lehrer, wie sie den Schülern dies inhaltlich und methodisch vermitteln sollen. Die neuen Apps und Funktionen kommen dafür gerade recht, und dafür sind wir dankbar.