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Lieber Phil Geld

29. Mai 2018 12:02; Akt: 29.05.2018 12:02 Print

Der Chef hat eine kürzere Kündigungsfrist als ich!

Alexandra (23) hat in ihrem neuen Arbeitsvertrag sechs Monate Kündigungsfrist, ihr Arbeitgeber aber nur drei. Ist das gesetzlich erlaubt?

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Für Chefs und Mitarbeitende gelten gleiche Rechte. (Bild: The Intern / Warner Bros.)

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Lieber Phil Geld
Ich werde in Kürze eine neue Stelle antreten. Beim Durchlesen des Arbeitsvertrages ist mir aufgefallen, dass für mich eine längere Kündigungsfrist gilt als für meinen Arbeitgeber. Während er das Arbeitsverhältnis auf drei Monate kündigen kann, gilt für mich eine Kündigungsfrist von sechs Monaten. Sind unterschiedlich lange Kündigungsfristen im Arbeitsvertrag erlaubt?

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Hand aufs Herz: Kennst du deine eigene Kündigungsfrist?

Liebe Alexandra

Das Gesetz sieht in Art. 335c OR je nach geleisteten Dienstjahren verschiedene Kündigungsfristen vor. Hat das Arbeitsverhältnis nicht länger als ein Jahr gedauert, so kann es mit monatlicher Kündigungsfrist auf das Ende eines Monats gekündigt werden. Hat es länger als ein Jahr, aber noch nicht zehn Jahre gedauert, beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate, ab dem zehnten Dienstjahr drei Monate. Durch schriftliche Abrede, Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag können diese gesetzlichen Kündigungsfristen verkürzt oder verlängert werden. Eine Herabsetzung der Kündigungsfrist unter einen Monat ist jedoch nur mittels Gesamtarbeitsvertrag (GAV) und nur im ersten Dienstjahr möglich.

Werden von der gesetzlichen Regelung abweichende Kündigungsfristen getroffen, müssen die Fristen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer stets gleich lang sein (sogenannte Kündigungsparität). Widersprechen sich die Kündigungsfristen, so gilt gemäss Art. 335a Abs. 1 OR zwingend für beide Parteien die längere Frist. Dies gilt übrigens auch während der Probezeit. Die Vorschrift schützt gleichermassen Arbeitnehmer wie Arbeitgeber.

Von dieser Regelung gibt es allerdings eine Ausnahme: Hat der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aus wirtschaftlichen Gründen (wie zum Beispiel bevorstehenden Umstrukturierungen oder Betriebsschliessung) gekündigt oder eine entsprechende Absicht kundgetan, so darf zugunsten des Arbeitnehmers eine kürzere Kündigungsfrist vereinbart werden (Art. 335a Abs. 2 OR). Dadurch soll Arbeitnehmenden ermöglicht werden, einen unsicher gewordenen Arbeitsplatz bei günstiger Gelegenheit vorzeitig zu verlassen.

Nach dem Gesagten sind unterschiedliche Kündigungsfristen grundsätzlich nicht erlaubt, liebe Alexandra. Ich rate dir, das Gespräch mit deinem zukünftigen Arbeitgeber zu suchen, bevor du den Arbeitsvertrag unterzeichnest.

Freundlich grüsst

Phil Geld
E-MAIL: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ringelblume am 29.05.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    super Arbeitgeber :-)

    ich würde gut überlegen, bei einem solchen Arbeitgeber anzufangen....das spricht Bände :-) und zwar vom Menschlichen her, aber auch von der Professionalität...

  • Nadine am 29.05.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenken angebracht

    Als HR Fachfrau empfehle ich Dir, keinen Vertrag bei diesem Arbeitgeber zu unterschreiben. Offenbar fehlt hier ein Grund Know How der Arbeitsgesetze. Da kannst Du damit rechnen, dass noch mehr folgen würde. Gewisse Arbeitgeber haben das Gefühl, sie können machen, was sie wollen. Und hier sieht man ganz klar, dass die Firma dich versucht zu benachteiligen. Finger weg!

  • Lucas R am 29.05.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kundigungsfrist

    Kündigungsfristen müssen für beide Parteien gleich sein steht so im OR

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Drahnreb am 30.05.2018 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundesräte machen es vor

    Bundesräte machen es vor. Sie werden für 4 Jahre gewählt. Treten aber zurück, wenn es ihnen passt.

    • Bölimaa am 30.05.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Bei dir happerts an Realitätsempfinden

      Dein Vergleich hinkt wie ein einbeiniges Pferd oder wirst Du für deinen Job gewählt?

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  • Opfer am 30.05.2018 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    och, und wenn schon

    Ach, darf man nicht so eng sehen. Deutsche Fachkräfte kennen sich halt mit Schweizer Gesetzen nicht so aus. Und wollen sich damit auch nicht auskennen. Aber wir Schweizer drücken da mal ein, zwei Augen zu, gäll, wir sind ja keine Rassisten.

  • Reto am 29.05.2018 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Wie man hier immer wieder sieht: lesen ist vielen nicht gegeben, schreiben aber schon.

  • Ttt am 29.05.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OR

    Der OR Art. ist dispositiv... also alles im Butter ;-)

    • Der geneu Leser am 29.05.2018 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Ttt

      Lies mal den Artikel, besonders den zweiten Abschnitt. Nur weil man rechtliche Begriffe kennt oder zu kennen glaubt, heisst das noch lange nicht, dass man auch deren Bedeutung, Interpretation und Anwendung versteht.

    • mueller am 29.05.2018 21:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Der geneu Leser

      Der "Ttt" hat schon Recht. Weil es sich um einen dispositiven und keinen zwingenden Artikel handelt, kann vom Gesetz abgewichen werden. Wer einen solchen Arbeitsvertrag mit einer anderen Kündigungsfrist unterschreibt, hat mit seiner Unterschrift die Abweichungen vom dispositiven Artikel akzeptiert. Ich bezweifle auch, dass man den damaligen Arbeitsvertrag deswegen anfechten möchte. die Kündigungsfrist ist wohl kein relevanter Grundlagenirrtum. Bei einem Grundlagenirrtum kann auch die Obligation resp. der Arbeitsvertrag als ganzes erlöschen. Aber wie oben genannt, kann man es ja mal ansprechen

    • HRmensch, der es weiss am 30.05.2018 01:08 Report Diesen Beitrag melden

      @ mueller etc.

      Art. 335a Abs. 1 ist nicht dispositiv, sondern - im Gegenteil - absolut zwingend! Leute, die nichts wissen oder nur über Halbwissen verfügen, sollten sich hier nicht äussern.

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  • Urs Huber am 29.05.2018 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Umstrukturierungen für Kostentreiber

    Jetzt ist mir auch klar weshalb die ZKB, UBS, CS permanent auf jährlicher Periode Umstrukturierungen von kleinen Teams / Abteilungen durchführen ohne das diese wirklich gebraucht werden. So kann man personelle Sonderposten (Alter nicht Knowhow) schnell loswerden und muss diese dem Staat nicht mal melden, da man unter der Meldelimite bleibt.

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