«Werden etwas tun müssen»

10. Juni 2018 02:34; Akt: 10.06.2018 09:32 Print

Erdogan droht Österreich mit Vergeltung

Die österreichische Regierung kündigte ihren Kampf «gegen den politischen Islam» an. Der Präsident der Türkei kritisiert den Entscheid scharf.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigt die Massnahmen an einer Pressekonferenz an. (Video: Tamedia/Facebook/Sebastian Kurz)
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Österreichs Entscheidung, Moscheen zu schliessen und dutzende Imame auszuweisen, scharf kritisiert. Die Massnahmen des österreichischen Kanzlers würden die Welt in Richtung eines «Krieges zwischen Kreuz und Halbmond» führen, sagte Erdogan bei einer Rede in Istanbul am Samstag. «Denken Sie, wir werden nicht reagieren, wenn Sie so etwas tun?», fügte der türkische Staatschef hinzu.

Erdogan spricht an einer Wahlkampfveranstaltung in Ankara. (9. Juni 2018) (Quelle: Keystone/Tumay Berkin)

Die österreichische Regierung hatte am Freitag angekündigt in einem Schlag gegen den «politischen Islam» sieben angeblich islamistische Moscheen schliessen zu wollen. Demnach könnten zudem 60 von der Türkei finanzierte Imame samt ihrer Familien ausgewiesen werden. Innenminister Herbert Kickl von der rechtspopulistischen FPÖ erklärte, es handele sich dabei um Geistliche mit Verbindungen zum türkisch-islamischen Kulturverein Atib.

Wegen Kriegsspielen mit Kindern

Laut Kickl verdächtigt die Regierung die Imame, gegen das Verbot des Auslandsfinanzierung religiöser Amtsträger zu verstossen. Atib gehört zum Auslandsarm der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Im April hatten Kriegsspiele mit Kindern anlässlich des Jubiläums einer Schlacht des Ersten Weltkrieges in einer Atib-Moschee in Wien für Aufsehen gesorgt.

Erdogan drohte am Samstag mit Vergeltung. «Wir werden etwas tun müssen», sagte er ohne konkrete Massnahmen zu nennen.

In Österreich leben etwa 360'000 Menschen türkischer Herkunft, darunter 117'000 türkische Staatsbürger. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seit dem gescheiterten Putschversuch im Jahr 2016 und den anschliessenden Verhaftungswellen in der Türkei angespannt. Wien hatte zuletzt türkischen Politikern Wahlkampfauftritte vor der Parlamentswahl in der Türkei am 24. Juni untersagt. ma

(roy/afp)